Was bedeutet eine Hypnose?


Das Phänomen Hypnose ist so komplex, dass es bis heute noch keine allgemeingültige Hypnosetheorie gibt. Folgender Trend zeichnet sich ab: Hypnose ist ein Überbegriff für eine Kommunikationskunst, mit der ein hypnotischer Trancezustand im direkten Kontakt mit dem Unbewussten der Person hervorgerufen, vertieft, genutzt und auch wieder aufgelöst wird. In diesem Trancezustand kann das Bewusstsein mit dem Unbewussten kommunizieren und die Fähigkeiten des Unbewussten abrufen.


Was ist Trance?

Trance ist ein natürlicher Geisteszustand, ebenso wie Wachen oder Schlafen, und kommt als Alltagstrance häufig vor, wie z. B. in besonderem Maße während eines Spieles um die Fußballweltmeisterschaft. Die Aufmerksamkeit ist hierbei so in Beschlag genommen, dass der normale Alltag auf einmal nicht mehr existiert. Mit der gleichen Konzentration der Aufmerksamkeit kann man auch in rein innere Erlebnisse immer tiefer hineingehen. Bei einer therapeutischen Trance erlaubt sich die zu hypnotisierende Person, sich mehr und mehr auf den ununterbrochenen Strom von Geschehnissen einzulassen, die dem eigenen Inneren entspringen – auf Gedanken, die kommen und gehen, auf Körpergefühle und aufsteigende Emotionen, auf Bilder, die faszinieren, auf Erinnerungen, die spontan auftauchen.

Direkte Beeinflussung von körperlichen Vorgängen durch Hypnose

Im Zustand der Trance sind die Tore zum Unbewussten weit geöffnet. Das Unbewusste reagiert nun direkt auf bestimmte Suggestionen, welche dem Körper gelten. Die spektakulärsten Phänomene – als Folge entsprechender Suggestionen – sind das unwillkürliche  „Leichterwerden“ und das „Nach-Oben-Schweben“ eines Armes (Levitation) und das extreme „Steif- und Bretthartwerden“ von Muskelgruppen (Katalepsie). Diese rein natürlichen Erscheinungen bringt das Unbewusste der hypnotisierten Person hervor, nicht irgendeine „Macht“ des Hypnotiseurs. Breit untersucht bzw. vielfältig gemessen ist die Einflussnahme von Hypnose auf Durchblutung, Herzschlag und Blutdruck, Darmbewegungen, Schmerzempfindung, Blutgerinnung und Immunsystem.


Diesbezügliche hypnotische Techniken haben auch schon Eingang in deutsche Kliniken gefunden und werden angewandt bei medizinischen Notfällen, bei akuten Schmerzzuständen, bei Verbrennungen, zur Vorbereitung auf medizinische Eingriffe, z.B. bei Magen- und Darmspiegelungen und chirurgischen Erfordernissen – Narkotika und Schmerzmittel werden dann nicht benötigt –, ferner bei Reizdarm, zur Stimulierung des Immunsystems bei Krebs, zur Dämpfung bei Allergie, bei Tinnitus und Hörsturz, bei Schlaganfällen, bei Warzen usw.. Auch erlernen immer mehr Zahnärzte hypnotische Techniken, um Eingriffe bei Kindern oder schwierigen Patienten auch ohne Betäubungsspritze durchzuführen. Ein besonderer Zweig ist die Sporthypnose. Der Sportler, der in Selbsthypnose unterrichtet wurde, versetzt sich in Trance und geht z.B. seinen Hochsprung in allen Einzelheiten durch. Details von Bewegungsabläufen, die nicht flüssig genug ablaufen, können nun in Trance verbessert werden, weil sie ja auch innerlich wie in der äußeren Realität erlebt und gespürt werden. Auch hierbei überrascht das Unbewusste durch kreative Ideen, die das Vorstellbare bisweilen weit überbieten. Ein Sportler, der z.B. Weitsprung in Selbsthypnose trainiert, erlebt sich nun vielleicht plötzlich als ein Känguru. Die etwas andere Anatomie stellt für das Unbewusste überhaupt kein Problem dar. Das in Trance Erarbeitete verbessert dann tatsächlich die Leistung in der äußeren Realität. Auch das ist wissenschaftlich breit belegt.

In Trance kann das Unbewusste umprogrammiert werden

In Trance tauchen die inneren Bilder sehr schnell und häufig auch sehr intensiv auf. Im Unterschied zum Traum können wir in Trance mit diesen Bildern arbeiten und sie verändern. Auch wenn der Patient sie nicht deuten kann und das auch gar nicht braucht, so spürt er doch auf der Gefühlsebene, dass das in Trance Erlebte ihn zutiefst betrifft. Patient und Therapeut verbleiben dabei im verbalen Kontakt: Der Patient berichtet von seinen Begegnungen, der Therapeut gibt ihm Hilfestellungen und Anregungen, was er im Sinne der Therapie tun könnte. Was auch immer an bunter Traum- und Bilderwelt in Erscheinung treten mag: Immer begegnet der Patient seinen Problemen und immer lässt ihm die Kreativität und Weisheit seines Unbewussten auf der Bildebene unzählige Möglichkeiten zuwachsen, seine Schwierigkeiten zu meistern oder seine Ziele zu
erreichen. Der Therapeut unterstützt diesen Prozess. Wir haben es im Unbewussten mit zwei gegensätzliche Typologien von Bildern zu tun: Symbole, welche unsere Schwierigkeiten darstellen, und solche, welche Lösungen und Weiterentwicklung aufzeigen – so erscheint es zunächst. In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass in einem Problem auch immer schon die Lösung enthalten ist, die freilich erst entwickelt werden muss. Das ist der Hintergrund des griechischen Wortes symbolon von symballein = zusammenwerfen. Wo das Problem ist, ist auch die Lösung!  
Einige typische Bildmotive sollen aufgezählt werden: Für unsere Schwierigkeiten stehen Abgründe, Mauern oder Dornenhecken, Dunkelheit, Fabelwesen und Ungeheuer. Häufig werden wir dabei in die Kindheit zurückversetzt und können nun mit den Personen sprechen, die uns verletzt oder belastet haben – sogar auch mit Verstorbenen. Alles lässt sich nun durch die Kraft des gesprochenen Wortes ins Reine bringen, wobei es unzählige weitere wundersame Unterstützungen gibt: Personen, die für uns hilfreich waren, kreative Phantasiegestalten, Werkzeuge und technische Geräte aller Art, z. B. Rüstungen, die Möglichkeit zu zaubern, das „Krafttier“, der alte Baum, der Schutz und Rat gibt, die heilende Quelle, für Kinder die „Zauberfee“, bis hin zu den beeindruckenden Gestalten des inneren Arztes oder Heilers, des alten weisen Mannes oder der alten weisen Frau. Diese würdigen Figuren (Archetypen) geben in einer Therapie häufig den entscheidenden Ausschlag. Letztlich geht es darum, mit allen Bildern, die uns bedrohen, Furcht einflößen oder blockieren, schrittweise zum Ausgleich zu kommen – ihre Gestalt ist keineswegs festgelegt, sondern immer veränderbar! In unserer Tiefe leuchtet ein ewiges Licht, es vermag die lebensfeindlichen Kräfte in uns in lebensbejahende Energien zu verwandeln und hilft uns, das absolut Unverträgliche auszuscheiden.